Jul
11
2010

Houseliche Gesundheitspflege

Ich kippe um, oder so. Ich wache im Krankenhaus auf, wo die Ärzte erst einmal ratlos sind.
Alle möglichen Tests werden gemacht, um Infektionen, Krebs und Vergiftungen auszuschließen. Unter anderem werde ich in einen Computertomographen geschoben, in dem ich einen rätselhaften Anfall bekomme. Vermutlich mit Herzstillstand.
Nun werden verschiedene Vermutungen angestellt: Höchstwahrscheinlich sagt zu irgendeinem Zeitpunkt irgendjemand, dass es sich bei meiner merkwürdigen Krankheit um Lupus handeln könnte.

Auch Krebs wird nie ganz ausgeschlossen, immerhin gibt es ja Tumore, die zu klein sind, um sie zu sehen.
Irgendwann ringt man sich zu einer Behandlungsmethode durch. Vielleicht Chemotherapie, Dialyse oder man verabreicht mir Steroide. Dies ist dann auch spätestens der Zeitpunkt, wo mindestens ein Arzt bei mir zuhause einbricht, um nach ominösen Giftstoffen zu suchen.
Die Behandlung scheint zu helfen, bis irgendwelche Organe bei mir ausfallen, die bisher nichts mit der Sache zu tun hatten. Möglicherweise habe ich auch einen Herzstillstand, vielleicht wird dieser von meinen behandelnden Ärzten provoziert.
Jetzt wird nochmal über Lupus oder eine ähnliche Krankheit diskutiert.
Jetzt fällt dann auch meine Leber aus, was dadurch zu erkennen ist, dass das Weiße in meinen Augen gelb wird. Man hat noch immer keine Ahnung, was mir fehlt.

Nun kommt der Zeitpunkt, an dem Dr. House selbst das erste mal an mein Bett kommt. Er humpelt in mein Zimmer, beleidigt mich, entweder nur um an Informationen zu kommen, die ich verschweige, oder weil sein Bein wieder weh tut. Vielleicht auch, weil ich einem wichtigen Eingriff nicht zustimmen will.

In der Zwischenzeit war Dr. House mit einem obskuren aber harmlosen Fall beschäftigt, damit seine Kollegen zu irritieren, Drogen zu nehmen, seinen Parkplatz zu verteidigen oder alles vorgenannte zusammen.

An meinem Bett nun entscheidet er sich für eine zweite Behandlungsmethode, weil er zu einer neuen Diagnose gekommen ist, die alle bisherigen Symptome erklärt. Zufrieden humpelt er wieder aus dem Krankenzimmer.

Seine Ärzte leiten die Behandlung ein, die mich diesmal fast umbringt. Ich werde vermutlich intubiert, oder sonst irgendwie an Maschinen angeschlossen. Es sieht aber nicht gut aus, ich habe nur noch wenige Stunden zu leben.

Als House sich wieder seinem harmloseren Fall widmet, hat er plötzlich einen Geistesblitz, und hat die Lösung für mein Dilemma. Ich leide an einer Krankheit, von der ich noch nie gehört habe, die sehr selten ist, und sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nie so geäußert hat, wie bei mir.
Ich muss zwei Pillen nehmen, und werde wieder gesund.

Statistisch gesehen ist es sehr wahrscheinlich, dass ich wieder vollständig gesund werde. In Einzelfällen soll es unter den Fällen von Dr. House schon zu Organtransplantationen gekommen sein, sehr selten zu Amputationen. In sehr sehr wenigen Fällen ist der Patient unheilbar.

So laufen gefühlte 90% aller Fälle von Dr. House in der gleichnamigen Serie ab. Kaum einmal weicht der medizinische Teil der Handlung von diesem sehr einfachen Schema ab, in dem übrigens auch die meisten Fantasy-Romane von Pierce Anthony geschrieben sind:

A. Problem
B. Held macht was gegen Problem, klappt nicht
C. kleineres Problem
D. Held macht was anderes gegen Problem, was Problem nur schlimmer macht
E. Held beschäftigt sich mit kleinerem Problem, und hat Idee
F. Held löst Problem

Vielleicht ist es ja der Reiz der Serie, dass man immer wieder die gleiche Geschichte erzählt bekommt, auch wenn Namen, Orte und Krankheiten jeweils andere sind. Immerhin funktionieren auch viele Krimi-Serien nach diesem Prinzip.
Vielleicht ist der medizinische Teil der Handlung bei House auch nur der Hintergrund, vor dem der Star der Serie (Dr. House) seine verschiedenen Wesensmerkmale ausleben kann.
Würde die Serie nur aus House bestehen, wie er seine Kollegen ärgert, würde sie immerhin schnell langweilig werden, und House würde uns auch zunehmend unsympathischer.
Dadurch, dass er jedoch am laufenden Band leben rettet, die sonst keiner retten könnte, wird er uns doch irgendwie sympathisch, auch wenn er verbal gerne mal ins Klo greift, Tablettensüchtig ist und ständig Menschen manipuliert, die ihn irgendwie für einen Freund halten. An guten Tagen ist House unausstehlich sarkastisch. An schlechten Tagen schlägt er Mitarbeitern ins Gesicht, weil sie recht haben, oder feuert alle um sich rum.

Eines steht jedoch fest: Hugh Laurie, der Dr. House spielt, trägt die Serie fast ganz allein. Alle anderen Schauspieler sind ihm in der Schauspielerei gnadenlos unterlegen.
Es handelt sich um gute, solide Seriendarsteller, ja, aber ohne House wäre die Serie eine langweilige, vage soapige Krankenhausserie, die kein Mensch für erwähnenswert halten würde.
Laurie jedoch ist gut. Er ist extrem gut in dem, was er macht. Obwohl er ein typisch britisches Gesicht hat, das irgendwie schräg aussieht, und einen großen Wiedererkennungswert hat, habe ich große Schwierigkeiten seine Darstellung von Dr. House mit früheren Rollen von ihm zu vergleichen, und dabei im Hinterkopf zu behalten, dass es sich um den gleichen Schauspieler handelt.

In „Jeeves & Wooster“ spielt Laurie den englischen Dandy Bertie Wooster, der ein wenig dümmlich ist, gerne einen draufmacht und ohne seinen genialen Butler kaum lebensfähig wäre.
Ich kann mir ohne Probleme vorstellen, dass sich Bertie Wooster bei Dr. House in Behandlung gibt, ohne, dass ich auch nur Gefahr zu laufe, die beiden durcheinander zu bringen. Dabei haben beide das gleiche Gesicht, die gleiche Stimme, die gleiche Mimik und auch die gleiche Gestik. Es ist mir ein Rätsel, wie es jemand als Schauspieler schafft, den beiden Rollen doch so eine destinktiv unterschiedliche „Färbung“ zu geben.
Es tut mir leid, aber besser kann ich es nicht beschreiben.
(Anm: Ich kann mir sogar ziemlich gut vorstellen, wie Dr. House Betrie Wooster behandelt, weil letzterer genau die Art Idiot ist, über die sich Dr. House immer aufregt.)

Der geneigte Leser mag einwenden: „Kunststück! Der ist doch Schauspieler, da kann man sowas!“ Das stimmt wohl, allerdings gebe ich folgendes zu bedenken:
Hätte der Totmacher Schulz und Schulz umgebracht, und Schmanski müsste jetzt mit dem Schwein gegen ihn ermitteln, dann würden Götz George und Götz George gegen Götz George ermitteln, der die beiden Götz Georges umgebracht hat.

Written by Heiko C. in: Kurzrezensionen,Serien | Schlagwörter:

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