Apr
13
2010

Kleine Linksammlung: Was die Kirche zu den Mißbrauchsvorwürfen zu sagen hat

Ich habe bisher nicht über das Thema gebloggt, weil ich es über die Maßen ekelerregend und bestürzend finde.
Nicht nur die Mißbrauchsfälle selbst sind so grausig; noch grausiger finde ich, wie die Kirche mit den Vorwürfen umgeht.
Wie hilflos sich Vertreter der katholischen Kirche zu verteidigen suchen, und wie wahllos sie dabei um sich schlagen, will ich mit folgender kleiner Linksammlung einmal komprimiert darstellen.

Obwohl ich mich nicht über jeweiligen Tagesnachrichten hinaus mit dem Thema beschäftigt habe, finde ich, dass allein die Schlagzeilen schon für sich sprechen.
Ich empfehle trotzdem jedem sich weitergehend zu informieren, bevor er sich eine Meinung bildet.

21.03.2010 “Kampagne gegen die Kirche”
Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller vergleicht die laufende Berichterstattung über die katholische Kirche mit der kirchenfeindlichen Haltung des NS-Regimes (Telepolis)

31.03.2010
Katholische Kirche
Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer ist völlig überlastet (SpOn)

12.04.2010
Connecticut bishops fight sex abuse bill
Die Bischöfe im US-Bundesstaat Connecticut versuchen eine Aufhebung der Verjährungsfrist für Missbrauchsverbrechen zu verhindern. (cnn.com)

12.04.2010
Report: Church abuse claims are ‘Zionist attack’, bishop says
Ein pensionierter italienischer Bischof vermutet eine Verschwörung von Zionisten gegen die katholische Kirche, die für die momentane Kritik an den Missbrauchsfällen verantwortlich sei. (Haaretz.com)

Hier weiß ich nicht, wie glaubwürdig die Quelle ist, ich kenn die Seite nicht.

13.04.2010
Nr. zwei im Vatikan verbindet Pädophilie mit Homosexualität
Kardinal sucht Erklärungen für Missbrauchskandal – Lehmann verteidigt Papst (heute.de)

In Großbrittanien plant Atheismusikone Richard Dawkins derweil die Verhaftung des Papstes wegen der Verdunkelung von Mißbrauchsfällen:

11.04.2010
Richard Dawkins calls for arrest of Pope Benedict XVI
Richard Dawkins fordert Verhaftung von Papst Benedict XVI (richarddawkins.net)

Und dass der Vatikan jüngst den Beatles vergeben hat, scheint in dem Kontext eher eine Art Übersprungshandlung zu sein:

13.04.2010
Vergebung
Kaum ist es 40 Jahre her, dass sich die Beatles getrennt haben, schon hat der Vatikan den Pilzköpfen ihr lasterhaftes Leben verziehen. Doch zumindest Ringo Starr scheint das ziemlich egal zu sein. (süddeutsche)

Aber solch abstruse Wortmeldung gibt es ja nun nicht erst in letzter Zeit von Kirchenvertretern. In dieser etwas älteren Nachricht sucht auch wieder ein Kirchenmann die Schuld an den Mißbrauchsfällen an ungewohnter Stelle:

27.12.2010
Bishop of Tenerife blames child abuse on the children
Bernando Álvarez sagte es gäbe 13 jährige, die mißbraucht werden wollten, und ‘einen provozieren, wenn man unvorsichtig ist’
(typicallyspanish.com)

Auch hier kenne ich die Quelle nicht näher.

Bei all diesem Quatsch könnte es sich bei folgendem tatsächlich um eine richtige Nachricht handeln, dabei handelt es sich nur um Satire. Erstaunlich, wie realistisch sie momentan schon klingt:

22.05.2002
Pope forgives molested children
Der Papst vergibt mißbrauchten Kindern (theonion.com)

Nachtrag
Einen hatte ich doch ganz vergessen:

16.02.2010
Katholische Kirche
Bischof Mixa gibt sexueller Revolution Mitschuld an Missbrauchsfällen

6 Kommentare »

  • [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Heiko C. erwähnt. Heiko C. sagte: Kleine Linksammlung: Was die katholische Kirche zu den Mißbrauchsvorwürfen zu sagen hat http://wp.me/pxBcV-y4 #kirche [...]

    Pingback | 13. April 2010
  • Danke, sehr gute Übersicht. Ehrlich gesagt fällt es mir auch langsam schwer, zu entscheiden, was ich ekelhafter finde – den Missbrauch oder den medialen Umgang damit.

    Heute hatte ich eine Diskussion mit einem ziemlich militanten Christen aus den USA. Er sagt, echte Christen tun niemals etwas Unrechtes. Ich meinte, das wären aber doch Christen, diese Geistlichen, denen Missbrauch vorgeworfen wird.
    Er hat mir dann erklärt, dass per Definition alles, was Christen tun, richtig ist. Falls doch jemand etwas tut, was nicht richtig oder unmoralisch ist, dann ist er automatisch kein echter Christ…

    Comment | 13. April 2010
  • Heiko C.

    Ich sollte das auch spezifizieren:
    Den medialen Umgang mit dem Mißbrauch finde ich nur deswegen ekelhafter als den Mißbrauch, weil er wie ein Sahnehäubchen aus Mist auf dem Mißbrauch draufsitzt. Der Mißbrauch ist in dem was ich so besonders ekelhaft finde inkludiert, obwohl er alleine schon ekelhaft genug ist.

    Ich hoffe das ergibt Sinn.

    Comment | 13. April 2010
  • Ich hoffe das ergibt Sinn.

    Ja, für mich schon.

    Comment | 13. April 2010
  • noita

    Ich kann dazu sagen, daß ich die Mißbräuche sehr schlimm finde und genauso, wie man mit den betroffenen Tätern umgegangen ist und heute noch umgeht. Das sind einfach Fälle, die sind nicht zu entschuldigen. Man kann vermuten, daß die Täter selber krank sind, denn sonst führt man meiner Meinung nach so etwas nicht aus. Wobei für mich eine Krankheit keine Entschuldigung ist, man hätt dann aber sofort reagieren können und die Jenigen sofort aus dem Dienst nehmen sollen. Diese Taten sind grausam für die Opfer, denn sie werden auch wenn man versucht hatte es zu therapieren, immer wieder daran zurückdenken.

    Aber ich finde den medialen Umgang damit einfach zum kotzen. Es kann nicht sein, daß ein paar dahergelaufene Journalisten meinen, sie könnten, der Begriff ist für mich auch sooo schwachsinnig “DER KIRCHE”, denn es sind Personen, die dort Taten verübt haben und nicht DIE Kirche, der Institution eins überbraten. Es wird oft nur halb ermittelt gerade in den Anfängen und dann versucht man sich zu übertrumpfen, wer bringt des besten Knaller. Das ist einfach nur dermaßen unpassend und vor allem den Opfern gegenüber.
    Es ist richtig, daß man dem ganzen nachgehen soll und muß. Es muß aufgeklärt werden und zwar bis ins kleinste Detail. Ganz wichtig ist dabei, das man sicherlich den Papst und viele Verantwortliche in den oberen Reihen zur Rechenschaft zieht und sie mit den Taten konfrontiert.Es kommen derzeit sehr viele abstruse Äußerungen in ie Öffentlichkeit, von denen, ich möchte niemanden in Schutz nehmen, aber ich denke einige Äußerungen kommen so raus, weil sehr viele Geistliche auch einfach gar nicht mit der Situation umgehen können. Sie werden mit ganz vielen Fakten überhäuft und beworfen und sollen sich dann dazu äußern und Stellung beziehen. Diese Menschen sind aber selber gar nicht fähig und versuchen sich dann zu rechtfertigen und geben dann den allerschlimmsten Unfug von sich. Des weiteren, soll es keine Entschuldigung sein, dennoch schaut man mal hin, wer dort versucht sich zu rechtfertigen, wer sind das denn??? Das sind alles alte Männer, die schon eher dem Tode nh sind, als das sie im Leben stehen und auch noch verstehen was Ihnen da zur Last gelegt wird. Das ist keine Entschuldigung, sicherlich müssen sie verstehen, das es Fehler waren, die sie begangen haben,aber doch nicht durch die Medien oder in der Öffentlichkeit. Wenn man beginnt in der Öffentlichkeit, was derzeit ja passiert, mehr oder weniger zu richten und zu urteilen und versucht in der Öffentlichkeit “DIE KIRCHE” an den Pranger zu stellen, dann begibt man sich auf das Niveau zurück, das im Mittelalter von der Institution Kirche schon einmal so genutzt und ausgeführt wurde. Das würde aber heißen man prangert jemanden an mit den gleichen Methoden des Jenigen der angeprangert ist.
    Ich bin für Aufklärung und für Strafen und für Konsequenzen. Aber die Medien sollten sich mal wieder dahin bewegen wozu sie da sind, zur Berichterstattung nd nicht zum spekulieren oder zum richten.

    Comment | 15. April 2010
  • Heiko C.

    Das Problem, was die Medien und weite Teile der Öffentlichkeit mit der Institution Kirche haben (und da besonders aber nicht ausschließlich) ist ja nicht, dass “die Kirche” selbst irgendwelche Kinder mißbrauchen würde.
    Das Problem ist, dass Mißrbrauchsverdachtsfälle nicht sofort zur Polizei getragen werden, wie es eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern dass “die Kirche” sich tatsächlich anmaßt sowas erst einmal selbst zu “untersuchen”. Das ist kein rechtsstaatliches Vorgehen, sondern scheint von einer Geisteshaltung zu zeugen, die auch eher aus dem Mittelalter stammt.
    Das schlimmste finde ich dabei, dass die Kirchenvertreter, die sich in den Medien dazu geäußert haben, da auch überhaupt gar nichts falsches drin sehen. Kritik an diesem Vorgehen scheint die eher zu irritieren. So nach dem Motto: “Wir uns an Gesetze halten? Wäre ja noch schöner!”
    Um solch einen Mißstand zu beheben, der scheinbar sehr tief in den Köpfen der Geistlichen verwurzelt ist, müsste man schon ein wenig mehr umgestalten, als nur die obere personelle Ebene. Pater Brown ist ja ganz lustig, aber nicht als Anleitung gedacht.
    Dass die Medien auf sowas den Finger legen finde ich nur gut und richtig, ebenso auf die absurden Äußerungen der diversen Kirchenvertreter.
    Auch sehe ich nicht das Problem im Alter der Geistlichen, oder einer Unbeholfenheit der Presse gegenüber, denn jeder Mann aus dem Klerus (bei Protestanten auch jede Frau) macht im Grunde genommen sein (ihr) ganzes Leben lang nichts anderes als Öffentlichkeitsarbeit. Selbst eine Predigt ist ja im Grunde nichts anderes als eine verbale Presseerklärung, wenn man so will. Mit Worten kann man hier also gut umgehen, man macht ja sonst nichts anderes.

    Jeder soll glauben was er will, gerne auch katholisch, aber wenn so eine Flut von Missbrauchsfällen über Jahrzehnte scheinbar organisiert vertuscht wird, dann ist da wirklich irgendwo ganz erheblich der Wurm im System. Als Presse darüber zu schweigen wäre falsch, auch wenn die Berichterstattung tatsächlich sehr reißerisch ist.
    Doch selbst das kann ich verstehen: Wenn Personen, die bisher als Inbegriff der Integrität galten sich an Kindern vergehen… wer kann da schon sachlich bleiben?

    Comment | 15. April 2010

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