Okt
08
2009

Hunde, die ewig leben

In den letzten Tagen hab ich mich immer wieder gescheut endlich den Gartenlaubenartikel einzustellen, da ich befürchtete, dass es doch wieder in die Hose geht.
Gestern hab ich mich dann aber mal wieder hingesetzt, den ganzen Artikel auf Papier (!) geschrieben, und wollte mich jetzt gerade daransetzen ihn abzutippen, als mir auffiel, dass aus Gründen, die mir vollkommen schleierhaft sind, schon wieder ein paralleler Austausch stattfand, wie schon hier, hier und auch hier.
Es war immer noch ein Artikel auf den Seiten, immer noch in meiner Handschrift verfasst, aber zu einem vollkommen anderem Thema. Allein um die Seltsamkeit dieses ganzen Vorgangs zu dokumentieren, hab ich den Artikel hier mal wieder eingegeben.
Ich möchte noch hinzufügen, dass ich es sehr gruselig finde, in meiner eigenen Schrift Worte zu lesen, die ich so nie geschrieben habe. Das Ganze ist aber nur unwesentlich gruseliger als all die anderen Parallelwelthacks der letzten Wochen.

Sinn und Unsinn der Haustiergenetik

Wer kennt ihn nicht, diesen Moment, wenn ein geliebtes Haustier langsam immer älter wird, sich seltsame Krankheiten zuzieht, und schließlich verstirbt.
Viele Haustierhalten haben sich seit der ersten Zähmung eines Wildtieres sehnlichst gewünscht, dass es eine Möglichkeit gäbe deren Leben zu verlängern. Seit 2007 ist es nun soweit.
Ich brauche wohl nicht weiter zu erwähnen, dass die japanische Shi-Chinpoko-Corporation seit Jahrzehnten schon im Bereich der genetischen Forschung aktiv ist, und es dann, vor ein paar Jahren zu einem ersten Durchbruch kam. Man fand und isolierte das Gen, das bei Hunden für den Alterungsprozess zuständig ist, und konnte es dann schließlich modifizieren, damit Hunde wesenlich länger leben.
Dass die Japaner an sowas geforscht haben, ist keine Überraschung: In einer rettungslos überalterten Gesellschaft wie in Japan und eigentlich allen Industrienationen, bekommen Haustiere eine besondere Bedeutung: Sie helfen nachweislich alten Menschen über die Einsamkeit hinweg, und geben ihnen überdies einen Grund tagtäglich aufzustehen.
Außerdem wirken sich Haustiere nachweislich heilsam bei allerlei gesundheitlichen Problemen aus, von der Tierhaarallergie einmal abgesehen.

Vor zwei Jahren also nun gingen die ersten von Shi-Chinpoko aufgewerteten Hunde in Serienreife, und wurden in Japan auch schon massenhaft verkauft. Im September 2008, nach unendlichen rechtlichen Querelen mit der EU, wurden dann die ersten der Superhunde auch in Europa angeboten und verkauft.

Jeder mag seinen Hund, und keiner will, dass sein Haustier stirbt, aber ist eine durchschnittliche Lebenserwartung von 70-80 Jahren (je nach Größe des Tieres) wirklich sinnvoll für ein Haustier?
Ich meine, was passiert mit dem Hund, wenn er sein Herrchen überlebt? Oder wenn sein Herrchen dann doch eine Tierhaarallergie bekommt? Wo soll der Hund dann für weitere 50 Jahre hin?
Ich weiß, dass es immer mehr in Mode kommt, Kindern gleich zur Geburt einen Superwelpen zu schenken, aber was ist, wenn der Nachwuchs gar keine Hunde mag?

Man hat ja auch schon früher immer von Hunden gehört, die zu Weihnachten verschenkt wurden, und dann beim nächsten Sommerurlaub an irgendeiner Autobahnraststätte angebunden vorgefunden wurden.
Was ist, wenn das mit solchen Superhunden passiert? Wie lange soll sich ein Tierheim um solch einen Hund kümmern, der fast ein Jahrhundert alt werden kann, und wer bezahlt das?

Ich weiß, die Tierchen sind sehr beliebt und die Preise für sie sind noch sehr hoch, aber bleibt das auch so? Verdrängen nicht irgendwann diese Superhunde all die kurzlebigen Hunderassen und wird dann nicht auch der Preis sinken?

All das sind Probleme, über die Shi-Chinpoko scheinbar nicht wirklich nachgedacht hat. Geschweige denn was passiert, wenn sich solch ein genetisch aufgewerteter Hund aus dem Staub macht, und sich mit irgendwelchen Straßenkötern paart. Ist wirklich sichergestellt, dass das modifizierte Gen sich nicht verbreitet? Ich weiß, die sollen alle sterilisiert sein, aber irgendwo gibt es ja sicher auch Zuchtexemplare in den Shi-Chinpoko-Tierfabriken.
Nehmen wir mal an ein genetisch aufgewerteter Huskie macht sich auf in die Wildnis, und verbreitet das Gen in den aus Osteuropa kommenden Wolfsrudeln? Brauchen wir Wölfe, die so lange leben? Und wächst dann nicht deren Population unkontrolliert? Was hätte das wohl für Auswirkungen auf den Rest des Wildlebens?

Sollte so etwas passieren, sehe ich ungeahnte Klagewellen auf Shi-Chinpoko zurollen.
Ich werde weiter bei den normalen Haustieren bleiben.

Außerdem sind mir Katzen sowieso lieber als Hunde.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Technisches | Schlagwörter: ,

1 Kommentar »

  • Offenheimer

    Do chickens think rubber humans are funny?

    Kommentar | 9. Oktober 2009

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