Wahl zum 11. Rechtsfreien Raum der Woche
Da letzte Woche ja der SUPER-Rechtsfreie Raum vergeben wurde, kamen die Fundstücke letzter Woche leider nicht zu einer Nominierung. Dies soll diese Woche ausgeglichen werden, indem ich sie zusammen mit den – auch eher spärlichen – Fundstücken dieser Woche präsentiere und zur Abstimmung stelle.
Da hätten wir:
Den Deutschlandfunk, der sich oder den Leser auf seiner Internetseite fragt: “Das Internet – ein rechtsfreier Raum?”
Gleich zu beginn des Artikels werden wir mit Zitaten konfrontiert, die diese Phrase enthalten:
Krogmann: “Und deshalb geht es in dieser kontroversen Debatte nicht nur um die Bekämpfung der Kinderpornografie, sondern es geht auch um eine grundsätzliche Frage. Es geht um die Debatte über die notwendigen Grenzen der Freiheit im Internet.”
Doermann: “Das stellt uns vor die ganz grundsätzliche Frage: Ist das Internet ein rechtsfreier Raum?”
Vetter: “Der Satz, das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein, unterstellt eigentlich etwas falsches, nämlich, dass das Internet derzeit ein rechtsfreier Raum ist.”
Hoeren: “Das Internet von seiner Wurzel her ist ein rechtsfreier Raum.”
Wieland: “Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das Internet ist aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum.”
Alleine die geballte Präsenz von verschiedensten Vertretern dieser Phrase auf so engem Raum treibt mir persönlich die Tränen in die Augen.
Ansonsten versucht der Artikel sich differenziert mit dem Thema zu beschäftigen, bekommt dabei aber dies und das ein wenig durcheinander. Unter anderem ist von dem Internet als Kopiermaschine die Rede. Was gemeint ist, ist gar nicht so falsch, allerdings würde ich eher die Computer für Kopiermaschinen halten, und das Internet – wenn überhaupt – für die Ablage, in der die Kopien landen. Aber na ja, das sind Kleinigkeiten.
Für die nicht satirisch motivierte Verwendung dieser Phrase allerdings – und dann noch in der Überschrift – gibt’s auf jeden Fall eine Nominierung. Für die rechtsfreie Zitatensammlung müsste sogar noch eine zweite folgen, aber eine pro Woche reicht ja glücklicherweise.
Dann haben wir noch unseren lieben guten alten Innenminister, Herrn Dr. Wolfgang Schäble, über den ich ja auch schon öfter mal was geschrieben habe. Der hat, wie der Südkurier berichtet, vor 300 Leuten in Waldshut geredet, und dabei davor gewart, dass das Internet nicht zum rechtsfreien Raum werden dürfe.
Seltsam, man kommt ja irgendwie nicht umhin zu bemerken, dass man bei der Union nicht wirklich einer Meinung ist. Sind nicht reihenweise Parteigenossen Schäubles der Meinung, dass das Internet bereits ein rechtsfreier Raum sei?
Na ja, dafür jedenfalls eine Nominierung. Wird auch Zeit, dass Schäuble in den illustren Reigen der nominierten Phrasenmissbraucher aufgenommen wird.
Ebenso hat sich die Neue Osnabrücker Zeitung der unter Holzmedienleuten allgemein vorherrschenden Googleparanoia angschlossen, und schreibt einen “Kommentar zu Literatur Internet Urheberrecht”.
Alleine die Überschrift kommt mir schon seltsam vor, und das hauptsächlich wegen des Mangels an Satzzeichen. Was ist jetzt gemeint? “Ein Kommentar zur Literatiur. Abgelegt in Internet-Urheberrecht” oder eher “Ein Kommentar zum Literatur-Internet- Urheberrecht” oder etwa “Ein Kommentar. Tangiert die Themen: Literatur, Internet, Urhgeberrecht”.
Ich weiß es nicht, ich tippe aber auf letzteres.
Na ja, jedenfalls spricht der Artikel davon dass auch im Bezug des “Googlebuchklaus” das Internet ein rechtsfreier Raum sei:
Mit dem Scannen der Bücher läuft eine gigantische Enteignung geistigen Eigentums. Das Internet scheint auch in dieser Hinsicht ein rechtsfreier Raum zu sein.
Also nicht nur beim eigenen Thema kramt die NOZ diese Phrase herausgeholt, nein zwischen den Zeilen wird noch impliziert, dass das Internet ja sowieso schon weitgehend rechtsfrei sei.
Die Abstimmung läuft diesmal bis Montag 16 Uhr 00. Entweder hier als Kommentar oder im Petitionsforum.
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