Jun
16
2009

Der DAU-SuperGAU

Ein GAU ist ein “größter anzunehmender Unfall” und ein DAU ist ein “dümmster anzunehmender User”. Ein Supergau ist ein “größter anzunehmender Unfall” bloss noch ganz dolle viel schlümmer.
Was wir zur Zeit in der großen Koalition in Sachen Computer und Internetgesetzgebung erleben ist ein DAU-SuperGAU. Menschen, deren einziges Wissen vom Internet – wenn überhaupt – aus dem Konsum des Filmes “Wargames” in den Achtzigern besteht, nehmen das Internet als eine diffuse Bedrohung wahr, und versuchen auf Deubel komm heraus Gesetze gegen das Internet zu beschließen. Da wird gesperrt, verboten und zensiert, da wird versucht Wikipediaeinträge zu optimieren, da wird das BKA ausgeschickt um offline Server zu beschlagnahmen, und dergleichen mehr. Das alles kann ich mir nur so erklären, dass die Gesetzgeber
1. jetzt erst begreifen, dass das Internet nichts vergisst, und man auch nicht wirklich legale Inhalte löschen kann. Selbst wenn sie dem Gesetzgeber unbequem sind
2. jetzt erst das Internet wahrnehmen, und was es schon seit 20 Jahren kann, und das Web 2.0 noch gar nicht wirklich verstehen.
Unbequem für diverse Politiker ist auch die Öffentlichkeit, die der lobbylose Wähler einfach und umfassend über das Internet herstellen kann. So kann ein Wähler auch Patzer und Fehler eines Politikers öffentlich machen, ohne dass solche Informationen wie in den Printmedien unterdrückt oder überspielt werden können.
Wenn ich über Politiker X. schreibe, der etwas blödes gesagt hat, und man mich abmahnt oder sonst irgendwie nötigt, den Bericht darüber offline zu nehmen, dann haben ihn im Idealfall schon zehn andere Leute abgeschrieben, die irgendwo anders sitzen, und mit mir nicht wirklich was zu tun haben. Das Internet ist nämlich dezentral, und kann daher auch schlecht, bzw. gar nicht zentral geregelt werden.
Es ist nur logisch, dass die Politik das Netz in die Obhut der bekannten Lobbies geben will, denn mit denen kennt sich die Politik ja aus. Wenn man die Lobbies auch nicht immer kontrollieren kann, so kann man mit ihnen doch handeln und Kompromisse schließen. Wenn es um private Nutzer des Internets geht, dann sind das Individuen, deren einzige Verbindung es sein kann, dass sie unabhängig voneinander über die Verfehlungen von Politiker X. berichten. Weil es Individuen sind, kann man die nur individuell zum Schweigen bringen, und das ist mühsam, ineffektiv und dauert lange.
Oberflächlich begrüßen die Politiker die Informationsfreiheit im Netz, und nennen diese eine Bereicherung für die Demokratie – was sie de facto auch ist – aber, dass sie es auch wirklich so meinen, halte ich für unwahrscheinlich.
Mit den vielen Patzern, Fehlern, falschen Statistiken, Wahrheitsanpassungen, offen einsehbaren Expertenmeinungen, die in der letzten Zeit publik im Netz geworden sind, scheinen zumindest die Spitzenpolitiker eiskalt erwischt worden zu sein.

Aber heute reichen halt eben nicht mehr Bild und Bams um zu regieren. Und das ist auch gut so.
Man fragt sich ja förmlich, was alles vor dem Internet schon unter den Teppich gekehrt wurde, und bis heute nicht herauskam. In so fern ist der Dau-SuperGau zu begrüßen. Man stelle sich vor das Schäuble, von der Leyen und Konsorten 1337-H4X0RZ wären, die alles im Netz schnell verschwinden lassen könnten. Und das ist gar nicht weit hergeholt, denn verbal können Politiker Dinge die ihnen unbequem sind, heutzutage recht schnell mit hohlen aber gutklingenden Phrasen umschiffen. Das ist aber auch eine Medienkompetenz, die sich in 60 Jahren Fernsehen erst langsam entwickelt hat. Bis alle Politiker Hackerkönige sind, haben wir wohl noch ein wenig Zeit.

Ein hoch auf den Dau-SuperGau!

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,

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